Huawei E3276

Der Huawei E3276 LTE-Stick ist der Nachfolger des beliebten Huawei E398, welcher der bis dato weltweit wohl am meisten verkaufte LTE Stick ist. Für viele Nutzer war der E398 schon der beste Surfstick auf dem Markt, er zeichnete sich durch überdurchschnittliche Empfangswerte und eine sehr gute Ausstattung aus. Mit dem E3276 übertrumpft der chinesische Hersteller das Vorgängermodell nochmal deutlich: bis zu 150 Megabit/s im Download sollen nun möglich sein – LTE der Kategorie 4 sei dank. Wir haben den Huawei E3276 zwei Wochen lang auf Herz und Nieren getestet und eines steht fest: der E398 wurde als bester Surfstick abgelöst! Wenn ihr wissen wollt warum, dann solltet ihr den vollständigen Test lesen.

Mit dem E3276läutet Huawei eine neue Geräte-Generation ein: es ist eines der ersten Geräte, dass mit einem hauseigenen Modem von HiSilicon ausgestattet ist, genau genommen dem Hi9620 Chipsatz. Bis heute ist Qualcomm der Marktführer auf dem Gebiet der Mobilfunkmodems, in quasi jedem Gerät mit Mobilfunk-Anbindung werkelte bisher ein Qualcomm Chip. Auf dem Datenblatt ist der Hi6920 Chip das beste, was es aktuell auf dem Weltmarkt gibt: LTE Kategorie 4 mit bis zu 150 MBit/s im Download und 50 MBit/s im Upload stellen nur die eine Weltneuheit dar, die andere ist im UMTS-Chip verbaut: DC-HSPA+ im UMTS-Netz mit bis zu 84 MBit/s im Download und 23 MBit/s im Upload sucht man etwa bei Qualcomm vergeblich.

Lieferumfang, Ausstattung und erster Eindruck

Lieferumfang Huawei E3276

Da der Huawei E3276 LTE-Stick in Deutschland noch nicht verkauft wird, mussten wir unser Testgerät aus dem europäischen Ausland, genauer gesagt aus Schweden besorgen. Außer in Schweden wird der Huawei E3276 aktuell noch in Österreich, Portugal, Polen und Russland verkauft, weltweit natürlich in noch viel mehr Ländern. Die Verpackung ist sehr klein und enthält neben dem E3276 nur ein paar Papier-Blättchen mit Hinweisen zum Gerät. Der erste Eindruck ist sehr gut: die Bauart entspricht der des Vorgängers Huawei E398, der USB-Anschluss lässt sich schwenken. Neu ist, dass der USB-Anschluss fest im Gehäuse einrastet und per Klick-Mechanismus wieder ausgeklappt werden kann. Von der Größe her gibt es keine großen Veränderungen, die Verarbeitung ist gut und das Design schöner als bei den meisten anderen Surfsticks. Zum Einlegen der Simkarte muss die komplette Oberseite entfernt werden, auch beim E3276 setzt Huawei weiterhin auf Simkarten in Standardgröße.

Die Ausstattung entspricht dem, was man von einem High-End Modem erwartet: neben einem Schacht für MicroSD Speicherkarten befinden sich zwei Anschlüsse für externe Antennen. Die Anschlüsse haben das Format CRC-9, der kurze Ausflug zu TS-9 Anschlüssen wie etwa beim E392 oder E398 scheint vorbei. Welcher Anschluss davon der Diversity-Anschluss ist, steht aber leider nicht dran – wenn man nur eine Antenne (z.B. für UMTS) anschließen will, muss man also ein bisschen ausprobieren.

Rueckseite Huawei E3276

Einrichtung und Software

Die Inbetriebnahme gestaltet sich recht einfach: nach einlegen der Simkarte und Anschluss am USB-Port werden automatisch die Treiber installiert. Hat man bereits eine aktuelle Huawei Dashboard Software auf dem Computer, so kann man diese ggfs. direkt verwenden. Andernfalls wird die Verbindungssoftware auf Wunsch installiert und nach Eingabe von PIN und Verbindungseinstellungen (APN) kann man sich mit dem Internet verbinden. Soweit also nichts ungewöhnliches. Huawei bewirbt den E3276 teilweise sogar als HiLink Stick, unsere Testgeräte haben diese Funktionalität aber nicht. HiLink bedeutet: auf dem PC muss keine Software mehr installiert sein und die Verbindung steht innerhalb weniger Sekunden – wir hatten das auf dem Huawei E303 mal getestet und waren durchaus angetan! Konfiguriert man den E3276 unter Windows als automatische Verbindung, so dauert der Verbindungsaufbau aber auch ohne HiLink nur rund 20 Sekunden.

Die Software auf dem E3276 kann natürlich je nach Netzbetreiber unterschiedlich sein, die Branding-Freie Version kommt mit original Huawei Dashboard in Version 23.009.05.00.03, der Stick hat die Firmware-Version 21.192.03.01.07. Eine LED auf der Front des LTE-Stick zeigt den aktuellen Verbindungsstatus, für UMTS und LTE leuchtet der Stick Cyan. Genauer wird das Netz in der Software angezeigt: neben der Empfangsanzeige steht entweder LTE oder DC-HSPA+, HSPA+ usw. – die Empfangsanzeige in -dBm scheint im LTE-Netz aber nicht zu funktionieren, nur die Balkenanzeige zeigt richtige Werte.

Geschwindigkeit und Verbindung

Der Huawei E3276 ist seiner Zeit weit voraus: in Deutschland gibt es (im Gegensatz zu anderen EU-Ländern) aktuell nur LTE der Kategorie 3, also maximal 100 MBit/s. Entsprechend sind auch die Datenraten: bis zu 86 MBit/s im LTE1800-Netz der Telekom konnten wir messen. Auch im UMTS-Netz ist der Stick weit besser als das Mobilfunknetz: ausgebaut sind maximal 42,2 MBit/s via DC-HSPA+, der Surfstick kann aber bis zu 84,4 Megabit/s im Download – erreicht wird diese Geschwindigkeit durch die Kombination von DC-HSPA+ und MIMO, wobei die Netzbetreiber schon vor einiger Zeit verkündet haben, dass sie sich vollständig auf LTE konzentrieren und ein Einsatz von MIMO in den 3G Netzen nicht geplant ist. So wird man wohl auch zukünftig mit den maximal 31 MBit/s leben müssen, die wir im DC-HSPA+ Netz mit dem E3276 gemessen haben.

E3276 LTE-Stick geoeffnet

Der Empfang ist gut und etwa auf dem Niveau des Huawei E398. Die Verbindungsstabilität hat sich im Vergleich zum E398 bzw. generell allen LTE-Sticks mit Qualcomm Chipsatz aber deutlich verbessert, wie auch maxwireless.de Leser Ralph berichten kann:

„Auch am Arbeitsplatz kann ich nun 8-9 Stunden am Stück online ohne Verbindungstrennung sein, so wie früher. Der Stick ist das, was ich seit anderthalb Jahren suche, wie es scheint.“

Auf Bahnfahrten gibt es zwar weiterhin hier- und dort Abbrüche, die Ursachen liegt aber sicher zu großen Teilen auch im Mobilfunknetz – ein Wagen mir Repeater ist jedenfalls immer von großem Vorteil. Der Wechsel zwischen 2G und 3G erfolgt sehr schnell und auch der Übergang zu LTE funktioniert problemlos.

Einsatz im Router und mit externer Antenne

Während eine FritzBox 7390 mit dem Huawei E3276 nicht allzu viel anzufangen wusste und es lediglich als angeschlossenes USB-Gerät erkannte, funktionierte der Betrieb im Dovado Tiny Router mit neuester Firmware auf Anhieb reibungslos. Damit eignet sich der Surfstick in Kombination mit einem Router auch zur stationären Nutzung.

Externe Antenne Huawei E3276

Hat man die nötigen CRC9 auf SMA-Adapter gekauft, so lassen sich auch handelsübliche, externe LTE Antennen anschließen. Im Test konnten wir mit der Funkwerk LTE 800 MIMO Antenne im Vodafone Netz eine gute Signalverstärkung messen und auch im Telekom Netz auf 1800 MHz brachte eine Funkwerk LTE 1800 MIMO Antenne deutlich bessere Datenraten. Allerdings sollte man auf eine stabile Montage achten, da die kleinen CRC9-Anschlüsse recht filigran sind und damit anfällig für Beschädigungen.

Fazit: neuer Star unter den Surfsticks

Nach unserem Test steht fest: der Huawei E3276 ist ein würdiger Nachfolger des Huawei E398 und leistet sich so gut wie keine Schwächen. Das Hi9620 Modem von der Huawei-Tochter HiSilicon ist den Modems von Qualcomm mindestens ebenbürtig und Huawei verdient daher großen Respekt für die Entwicklung eines eigenen Chipsatzes, der so gut funktioniert. Aktuell ist der Stick wie eingangs gesagt nur im Ausland erhältlich, aber auch in Deutschland werden die Netzbetreiber den E3276 sicher bald ins Programm nehmen. Vodafone hat das Modell in Portugal bereits unter dem Namen K5007 am Start, ein Marktstart hier bei uns ist wahrscheinlich. Wer es schneller will: bei Amazon gibt es den Stick aktuell für happige 180 Euro ohne Branding bzw. neuerdings auch im Telekom-Design als Speedstick LTE III für deutlich günstigere 100 Euro.