AVM ist einer der wenigen Hersteller, die LTE-Router mit einer vollwertigen Telefonanlage samt DECT-Funktion anbieten. Neben der rund 300 Euro teuren FRITZ!Box 6890 LTE wird seit wenigen Monaten auch die mit rund 180 Euro deutlich günstigere FRITZ!Box 6850 LTE angeboten. Im Vergleichstest von maxwireless.de mussten die Router zeigen, wo die jeweiligen Vorteile liegen und für welche Anforderungen sich welches Modell am besten eignet.

Vergleich Anschlüsse und Software

Rein optisch unterscheiden sich die beiden FRITZ!Box Modelle auf den ersten Blick kaum. Beide haben weiße Kunststoffgehäuse mit roten Zierelementen. Die FRITZ!Box 6850 LTE ist jedoch deutlich kleiner als die 6890 LTE und bietet weniger Anschlüsse auf der Rückseite.

Beide Geräte werden mit zwei kleinen externen Mobilfunkantennen geliefert, welche mit den SMA-Anschlüssen verbunden werden. Bei Bedarf können auch andere Antennen mit SMA-Anschluss verbunden werden, zum Beispiel wenn man eine externe Richtantenne verwenden möchte. Die WLAN-Antennen sind sowohl bei der 6890 als auch bei der 6850 im Gehäuse versteckt, eine externe WLAN-Antenne kann man nicht anschließen.

Vergleich FRITZ!Box 6850 (oben) und FRITZ!Box 6890 (unten).

Beide Router haben vier RJ45 Gigabit Ethernet LAN-Anschlüsse, die FRITZ!Box 6890 LTE hat zusätzlich noch einen Gigabit WAN-Port zur Verbindung mit einem externen Modem. Bei der 6850 kann leider auch der LAN1-Port nicht für den Internetzugriff verwendet werden, das war bei früheren AVM-Routern oft möglich. Für beide Modelle wird eine SIM-Karte im 2FF-Format („Mini-SIM“) benötigt. Bei der Verwendung von Micro- oder Nano-SIM-Karten mit Adapter sollte man sehr vorsichtig vorgehen, da sich diese Adapter leicht verhaken können.

Vergleich FRITZ!Box 6850 (oben) und FRITZ!Box 6890 (unten).

Sowohl die FRITZ!Box 6890 LTE als auch die 6850 LTE verfügen über einen TAE-Anschluss sowie einen RJ11-Anschluss für ein analoges Telefon, außerdem können Telefone via DECT angeschlossen werden. Die 6890 verfügt zusätzlich über einen ISDN S0 Port, sodass eine externe Telefonanlage eingebunden werden kann. USB 3.0 ist bei beiden Router-Modellen vorhanden.

USB 3.0 Anschluss an der Seite.
TAE-Anschluss an der Seite.

Bei der Software gibt es kaum Unterschiede. Beide Geräte nutzen die FRITZ!OS Oberfläche und bieten eine sehr große Funktionsvielfalt bei gleichzeitig einfacher Bedienung. Im Bereich Mobilfunk sucht die Software ihresgleichen, AVM bietet hier die meisten Informationen zur Verbindung und die vielfältigsten Einstellungsmöglichkeiten.

Informationen zur Mobilfunkverbindung in der FRITZ!OS Software.

Vergleich LTE- und DSL-Modem

Die AVM FRITZ!Box 6890 LTE besitzt sowohl ein modernes VDSL-Modem mit Unterstützung für Supervectoring (bis 250 Mbit/s) als auch ein LTE-Modem der Kategorie 6 (bis 300 Mbit/s). Die FRITZ!Box 6850 LTE hat kein DSL-Modem integriert und das LTE-Modem kann maximal 150 Mbit/s im Downlink erreichen (LTE Cat4).

Sofern man das DSL-Modem nutzen kann, ist die FRITZ!Box 6890 LTE hier natürlich klar im Vorteil. AVM hat neben diversen Backup-Szenarios auch eine Hybrid-Funktion integriert, welche die Geschwindigkeiten von DSL- und LTE-Verbindung kombinieren kann. Das funktioniert zwar nicht immer gut und mit dem Telekom Hybrid-Tarif ist die 6890 nicht kompatibel, aber es ist auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal.

Das LTE-Modem sollte bei der AVM FRITZ!Box 6890 LTE theoretisch doppelt so schnell sein wie bei der 6850. In der Praxis war die 6890 im Test von maxwireless.de aber kaum schneller, oft lag die 6850 sogar vorne. Das hat verschiedene Gründe, einer ist sicherlich, dass nur wenige Frequenzband-Kombinationen (Carrier Aggregation) von der 6890 unterstützt werden und sie so ihren theoretischen Vorteil in der Realität nicht immer ausspielen kann.

Die Latenzzeiten (Ping) sind je nach verwendetem Test-Server sehr ordentlich und liegen teilweise bei nur 20 Millisekunden. Hier sind keine Unterschiede zwischen den Modems von 6890 und 6850 feststellbar.

Vergleich WLAN

Im Bereich WLAN ist die FRITZ!Box 6890 LTE klar im Vorteil gegenüber der FRITZ!Box 6850 LTE. Schon in der Theorie ist die 6890 doppelt so schnell: im 5 GHz Band können maximal 1.733 Mbit/s erreicht werden, die 6850 erreicht maximal 867 Mbit/s. Im 2,4 GHz Band sind mit der 6890 bis zu 800 Mbit/s möglich, mit der 6850 bis zu 400 Mbit/s. Möglich wird das durch deutlich mehr WLAN-Antennen. Die 6890 verfügt über 4×4 MIMO Antennen-Technik, die 6850 kann 2×2 MIMO Antennen-Technik nutzen.

In der Praxis sind die Geschwindigkeiten mit der FRITZ!Box 6890 LTE deutlich höher, sofern man ein Endgerät verwendet, welches mehr als nur 2×2 MIMO unterstützt. Doch nicht nur die Geschwindigkeiten, auch die WLAN-Reichweite ist bei der 6890 spürbar besser. Reicht die 6850 maximal für eine mittlere Wohnung oder ein kleines Haus, so kann mit der 6890 auch eine große Wohnung noch gut versorgt werden.

Beide Router-Modelle unterstützen übrigens die WLAN-Mesh-Technik und mit den passenden AVM Mesh-Repeatern lässt sich das WLAN sehr einfach erweitern und schneller machen.

Fazit und Kaufempfehlung

Wer einfach nur einen möglichst schnellen LTE-Router sucht, kauft am besten weder die FRITZ!Box 6890 noch die 6850. Beide Geräte bieten im Vergleich zu anderen aktuellen Geräten wie etwa dem Huawei B818 oder dem Netgear Orbi LBR20 nur geringe Geschwindigkeiten, wobei die 6850 der 6890 teilweise sogar überlegen ist, obwohl es laut Datenblatt andersherum sein müsste.

Wer einen möglichst gut ausgestatteten LTE-Router mit einer vollwertigen Telefonanlage, USB-Anschluss, einer sehr guten Software und vielen Funktionen benötigt, kann bedenkenlos zur FRITZ!Box 6850 LTE greifen. Sie bietet ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Für wen lohnt sich der Kauf der FRITZ!Box 6890 LTE? Wenn ein gutes DSL-Modem samt Backup- und Hybrid-Funktion wichtig ist und das WLAN möglichst gut sein soll, führt kein Weg an der 6890 vorbei. Auch wer zwingend einen ISDN S0-Anschluss braucht, muss die 6890 wählen.