In diesem Artikel möchten wir den aktuellen Stand beim UMTS und LTE Netzausbau von E-Plus mal genauer beleuchten. Wie weit ist der Ausbau mittlerweile fortgeschritten, welche Datenraten sind im E-Plus Netz möglich und auf welche Funktechniken und Frequenzen setzt die KPN-Tochter? All diese Fragen interessierten uns und wir haben viel getestet, um die Antworten zu finden!

UMTS Netzausbau: erstaunlich gut!

Während Vodafone sich voll und ganz auf den LTE Ausbau konzentriert hat und O2 seine Ausbau-Aktivitäten sogar fast gänzlich eingestellt hat, wurde in Düsseldorf bei E-Plus fleißig geplant und dann auch gebaut: es wurden und werden viele neue UMTS Standorte gebaut und alte erneuert. Das betrifft sowohl Standorte in der Stadt als auch auf dem Land. Insbesondere in ländlichen Gebieten ist E-Plus mittlerweile oft sehr gut mit UMTS aufgestellt und kann so teilweise Regionen versorgen, in denen andere Betreiber keine oder nur schlechte Netzabdeckung vorweisen können.

Insgesamt hatten wir den Eindruck, dass das E-Plus UMTS Netz von der reinen Abdeckung her nicht mehr deutlich schlechter als das von Telekom oder Vodafone ist. Leider scheint E-Plus weiterhin nur die recht kurzwelligen 2100 Megahertz Frequenzen für UMTS einzusetzen, obwohl schon vor Jahren erste Tests zu UMTS900 liefen und mittlerweile auch schon längere Zeit eine Erlaubnis für den Betrieb von 3G in diesem Frequenzband vorliegt. UMTS auf 900 Megahertz würde die Flächenabdeckung noch einmal deutlich verbessern.

UMTS Datenraten: stark schwankend!

Bei den Datenraten gab es viele Überraschungen – zum Teil positiv, zum Teil negativ. Doch zuerst das positive: E-Plus hat mittlerweile an vielen Standorten HSPA+ aktiviert und stellt somit theoretisch bis zu 21,6 Megabit/s im Download zur Verfügung. Die passende HSPA+ Hardware in Form des USB-Hotspot Huawei E355 wird seit Mai verkauft, außerdem können fast alle aktuellen Smartphones mittlerweile mit HSPA+ umgehen. Praktisch konnten wir die 21,6 Megabit/s nicht mal ansatzweise erreichen, aber der höchste gemessene Wert von 9,5 Megabit/s im Download ist trotzdem sehr gut und lag über unseren Erwartungen.

Leider gab es auch noch sehr viele Standorte, wo nur Datenraten von etwas über 0,5 Megabit/s im Downlink erreicht wurden. Ob der Grund in einer schlechten Anbindung oder in der Überlastung der Zelle lag ist nicht klar, aber hier hat E-Plus auf jeden Fall noch etwas Arbeit vor sich. An den meisten Standorten war jedoch eine Geschwindigkeit zwischen 1MBit/s und 2 MBit/s die Regel, was zum normalen surfen für die meisten Nutzer ausreichen dürfte.

LTE: Bisher nur Tests

Im Rahmen seiner „Smart Follower“ Strategie hat E-Plus bisher als einziger Netzbetreiber in Deutschland noch nicht mit dem LTE Netzausbau begonnen. Laut E-Plus benötigen die Kunden die Mobilfunktechnik der vierten Generation noch nicht und daher wird die Technik erst dann eingeführt, wenn die Masse der Kunden die hohen Geschwindigkeiten auch nachfragt und nutzen kann. Einen genauen Zeitraum gibt es dafür noch nicht, jedoch dürfte die Einführung von LTE kein großes technisches Problem darstellen: die Netztechnik von ZTE (siehe nächster Absatz) ist hochmodern und ist wohl größtenteils in der Lage, durch einfache Software-Updates auch auf 4G zu senden.

E-Plus testet LTE derzeit auf den verschiedensten Frequenzen, wobei es als sehr wahrscheinlich gilt, dass E-Plus ein LTE Netzwerk auf dem 1800 Megahertz Band aufbauen wird, wahrscheinlich sogar als TDD-Netzwerk und nicht wie bei den anderen Betreibern als FDD Netz, da E-Plus nicht genügend FDD-taugliches Spektrum besitzt.

Günstiger Netzausbau durch ZTE

Die E-Plus Gruppe muss sparen und man merkt teilweise deutlich, dass mit KPN kein so finanzstarker Mutterkonzern hinter E-Plus steht, wie es etwa bei O2 oder bei Vodafone der Fall ist. Die Netztechnik wurde schon vor einiger Zeit zu einem großen Teil an den chinesischen Netztwerkausrüster ZTE ausgelagert, der für seine günstigen Produkte bekannt ist. Aber günstig ist nicht gleich schlecht: auch die anderen Netzbetreiber nutzen mittlerweile zu großen Teilen Netzequipment aus China, meist vom ZTE-Konkurrenten Huawei. Meistens werden direkt sogenannte SingleRAN Lösungen eingesetzt, die im Vergleich zu früheren Lösungen oft mehr als 50% Energieersparnis bieten und zusätzlich noch zukunftssicher sind, was neue Technologien wie LTE Advanced angeht.

Doch die Sparsamkeit merkt man noch an einigen anderen Punkten, wie wir an zwei Beispielen zeigen möchten: so wirbt ZTE mittlerweile mit einem Logo auf den Webseiten der E-Plus Gruppe für sein „Smart Network -powered by ZTE“ und an einigen Standorten werden Passanten bzw. Mitbewerber darauf aufmerksam gemacht, dass der Standort mitgenutzt werden kann:

Fazit

Alles in Allem können wir nach vielen Tests sagen, dass das E-Plus Netz besser als sein Ruf ist, aber es bleibt trotzdem noch eine ganze Menge zu tun. Der UMTS-Ausbau ist mittlerweile gut fortgeschritten und oft können auch passable Datenraten erreicht werden, die zumindest in Verbindung mit den oft sehr günstigen Preisen absolut in Ordnung gehen. Im Vergleich zu Telekom und Vodafone sind die Datenraten meistens noch viel geringer, aber im Vergleich mit O2 braucht sich E-Plus nicht mehr verstecken. Der Verzicht auf LTE ist aktuell verkraftbar, denn der Schwerpunkt beim Ausbau liegt auf UMTS und das ist auch nötig. LTE kann dank aktueller Netztechnik später recht einfach aktiviert werden.