WLAN Mesh Systeme sind voll im Trend: fast jeder Netzwerk-Hersteller hat mittlerweile spezielle Mesh Komponenten im Portfolio oder hat bestehende Router mit einer Mesh Funktionalität ausgestattet. Die Hersteller versprechen allesamt ein reibungsloses Zusammenspiel der einzelnen Accesspoints und im Vergleich zu herkömmlichen WLAN-Systemen höhere Datenraten und weniger Probleme. Linksys hat mit dem Velop Mesh System ein eher hochpreisiges Set mit zwei bzw. drei WLAN Accesspoints im Angebot. Im Test von maxwireless.de musste das System in einem großen Einfamilienhaus zeigen, ob es im Vergleich zur bisherigen Konfiguration die beworbenen Vorteile ausspielen kann.

Vorteile von Mesh WLAN

Bislang waren in Privathaushalten die meisten WLAN Netzwerke so aufgebaut: es gibt ein Breitband-Modem und einen WLAN Router (meist kombiniert in Form eines Telekom Speedport, 1&1 HomeServer, AVM Fritzbox etc.).  Bei größeren Wohnungen und Häusern ist dies oft ergänzt durch WLAN-Repeater, ein Powerline-System oder zusätzliche Accesspoints. Eine gesamtheitliche Logik innerhalb der einzelnen Komponenten gibt es bei diesen Konstellationen in der Regel nicht – die Zuverlässigkeit ist daher oft mangelhaft und die Geschwindigkeit gerade an den Rändern der Funkversorgung alles andere als gut.

Mesh WLAN versucht dieses Problem anzugehen, in dem eine Art „Intelligenz“ in die Komponenten gebracht wird. Die einzelnen WLAN Accesspoints arbeiten bei Mesh Systemen zusammen und nicht mehr als eigenständige Systeme – dadurch soll der Nutzer nur noch ein großes WLAN Netzwerk spüren und sich innerhalb der verschiedenen Accesspoints ohne Performance-Einbußen problemlos bewegen können (sog. „Roaming“). Das Roaming zwischen den verschiedenen WLAN Zellen ist ohne Mesh-Funktion ein riesiges Problem, da – anders als im Mobilfunk – keine einheitlichen Standards dafür umgesetzt werden und jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht. 

Das Linksys Velop System

Linksys verkauft sein Velop Mesh System in drei verschiedenen Konfigurationen: als einzelner WLAN Accesspoint für etwa 180 Euro, als zweier Set für etwa 300 Euro und als dreier Set für etwa 420 Euro. Je nach Größe des Gebäudes, welches man versorgen möchte, kann man also das passende Set auswählen.

Jeder Accesspoint verfügt über zwei RJ45 Gigabit LAN Anschlüsse auf der Unterseite sowie ein Anschluss für ein Netzteil, die Power-Taste und eine kleine Reset-Taste. Auf der Oberseite gibt es eine LED für den Betriebsstatus, ansonsten ist das Gerät unscheinbar in weißem Kunststoff gehalten. Auf einen USB Anschluss für den Anschluss eines Druckers oder eines Speichermediums muss man leider verzichten. Die Technik im Inneren: es gibt Multi-User MIMO WLAN mit bis zu 867 Mbit/s im 5 GHz Bereich sowie bis zu 400 Mbit/s im 2,4 GHz Bereich. 

Linksys Velop: Einrichtung und Inbetriebnahme

Die Bedienung und die Konfiguration des gesamten Linksys Velop Mesh Systems erfolgt über eine App, welche für Android und iOS verfügbar ist. Zur Inbetriebnahme schließt man die erste der drei „Nodes“ mit dem mitgelieferten LAN-Kabel an das im Haushalt vorhandene Breitband-Modem an und verbindet den Accesspoint mit dem Stromnetz. In der App wird dann ausgewählt, dass ein neues Velop System eingerichtet werden soll. Bevor es los geht, muss man noch einen Account bei Linksys erstellen, danach geht es mit der Einrichtung der ersten Node weiter. Bis das erste der drei in diesem Test verwendeten Nodes lauffähig war, sind rund 5 Minuten vergangen. Die App zeigt jeden Schritt grafisch an und hilft bei der Konfiguration – das ist insgesamt vorbildlich gelöst!

Die Einrichtung der beiden weiteren Nodes gestaltete sich komplizierter. Sie wurden zwar recht schnell durch die App erkannt, doch mittendrin ist die Konfiguration mehrfach fehlgeschlagen – die App meldete dann schlicht: „Ups. Es ist ein Fehler aufgetreten. Können wir von vorne anfangen?“. Man musste daraufhin die Reset Taste drücken und die Einrichtung wiederholen. Nach dem dritten bzw. vierten Durchgang waren dann jedoch alle drei Nodes ins Netz eingebunden und das WLAN Netzwerk war einsatzbereit.

"Ups. Es ist ein Fehler aufgetreten." Dieser Bildschirm wurde leider häufiger angezeigt.
„Ups. Es ist ein Fehler aufgetreten.“ Dieser Bildschirm wurde leider häufiger angezeigt.

Linksys Velop: Nutzung

Das Linksys Velop System wurde im Test mit verschiedensten Endgeräten genutzt. Geprüft wurde vor allem, ob Performance und Geschwindigkeit mit dem bisher verwendeten WLAN-Equipment vergleichbar sind. Obwohl die einzelnen Velop Accesspoints nicht perfekt positioniert werden konnten, war das Ergebnis sehr gut. Die volle VDSL 50 Geschwindigkeit war in allen Räumen nutzbar – vorher war das nicht der Fall. Auch die Geschwindigkeit bei der Datenübertragung zwischen dem am Router angeschlossenen Synology DiskStation NAS und den einzelnen Endgeräten war teilweise deutlich beschleunigt. Wo bislang maximal 90 Mbit/s möglich waren, konnte durch eine bessere Positionierung der einzelnen Access-Points oft die doppelte Geschwindigkeit erreicht werden.

(Fast) volle VDSL 50 Geschwindigkeit über die integrierte Speedtest-Funktion der Velop App.
(Fast) volle VDSL 50 Geschwindigkeit über die integrierte Speedtest-Funktion der Velop App.

Beim alten WLAN System aus drei gleichartigen WLAN-Routern gab es immer Probleme mit dem „Roaming“ zwischen verschiedenen Accesspoints. Trotz identischer SSID hingen Geräte wie Smartphones und Laptops oft in einem Accesspoint fest, der deutlich weiter entfernt war, wenn man sich bewegt hat. Die Folge waren schlechte Performance und teilweise Verbindungsabbrüche. Das Linksys Velop System konnte hier vollkommen überzeugen: die Roaming-Probleme zwischen den einzelnen Hotspots waren behoben und es fühlte sich tatsächlich so an, als hätte man ein großes WLAN Netzwerk. So soll es sein!

Fazit zum Linksys Velop System

Die einzelnen Accesspoints des Linksys Velop Mesh-Systems hinterlassen einen sehr hochwertigen und durchdachten Eindruck. Das Design ist gelungen und durch die zwei RJ45 Ethernet-Anschlüsse sowie das schnelle WLAN-Funkmodul ist die Technik zeitgemäß. Kritik muss sich das Linksys System für die zeitraubende Einrichtung gefallen lassen. Theoretisch ist diese dank der hervorragenden App zwar selbsterklärend, doch im Test glückte die Einrichtung aller drei Komponenten erst nach mehreren Anläufen. Ist das Linksys Velop System erst einmal eingerichtet und läuft, so bekommt man ein sehr stabiles und schnelles WLAN Netzwerk, welches im Vergleich zu herkömmlicher WLAN-Technik in einem großen Haushalt auf jeden Fall Vorteile bietet.
Ob das Velop System rund 150 Euro pro Accesspoint wert ist, muss letztlich jeder selbst entscheiden. Wer einfach nur ein normales WLAN-Netz haben möchte, kommt mit einem normalen WLAN-System – eventuell mit Repeater – sicher günstiger weg. Wer jedoch ein großes Haus hat und überall eine gute und schnelle WLAN Versorgung braucht, ist mit dem Velop System gut ausgestattet. Angesichts der derzeit noch bestehenden Schwierigkeiten bei der Einrichtung wäre Linksys aber zumindest gut beraten, ein Firmware-Update zur Verfügung zu stellen, damit künftige Käufer einen problemlosen Start mit ihrem Produkt haben. Auch der fehlende USB-Anschluss sowie die nur mittelmäßige WLAN Geschwindigkeit im 5 GHz Band sind angesichts des recht hohen Preises zu kritisieren.

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