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Die Deutsche Telekom und Qualcomm Technologies haben in einem Testnetz in Nürnberg License-Assisted Access (LAA) LTE getestet, also die Kombination von gewöhnlichen LTE Frequenzbereichen und LTE im unlizensierten 5 GHz Band. Die Technik, welche LTE-U sehr ähnlich ist, soll künftig die Kapazität im Mobilfunknetz weiter erhöhen und die Bandbreiten verbessern. Für Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom ist der Einsatz von LTE im 5 GHz Frequenzbereich eine willkommene Ergänzung zum teuren und knappen Frequenzspektrum, welches ausschließlich für Mobilfunk reserviert ist. Bislang wird der 5 GHz Frequenzbereich hauptsächlich von privaten und geschäftlichen WLAN Netzwerken genutzt.

Erfolgreicher Test von LAA durch Qualcomm und Deutsche Telekom
Die Deutsche Telekom hat den Test von LAA zusammen mit Qualcomm Technologies am 20. November 2015 in Nürnberg durchgeführt. Dazu wurde ein Test-Netz auf dem Forschungsgelände von Qualcomm installiert und das von der Deutschen Telekom zur Verfügung gestellte lizensierte Funkspektrum um Spektrum aus dem unlizensierten 5 GHz Bereich erweitert. Die Testgeräte wurden von Qualcomm Research entwickelt und installiert.
Der Test zeigte laut Telekom, dass die Bündelung (Carrier Aggregation) der Frequenzbereiche einwandfrei funktioniert, auch Zellwechsel zwischen den verschiedenen Basisstationen (eNodeB) sind nahtlos möglich. Insgesamt erreichten die Techniker eine größere Reichweite als bei WLAN im 5 GHz Band und eine größere Netzkapazität.

Diese Grafik von Qualcomm zeigt die Funktionsweise von LTE-U bzw. LAA
Diese Grafik von Qualcomm zeigt die Funktionsweise von LTE-U bzw. LAA (unterer Teil der Grafik)

Störungen befürchtet
Einige Experten und Netzwerk-Hersteller betrachten die Entwicklung mit Sorge. So hat etwa der Berliner Anbieter AVM vor möglichen Störungen bestehender WLAN-Netzwerke im 5 GHz Band gewarnt. AVM fordert – wie auch viele andere – das der unlizensierte 5 GHz Frequenzbereich weiter der nichtkommerziellen Nutzung vorbehalten sein soll, immerhin wird nicht nur im Mobilfunk immer mehr Frequenzspektrum benötigt, sondern auch für WLAN Anwendungen.

Künftige Einsatzmöglichkeiten von LAA
Da die Reichweiten im Frequenzbereich um 5 GHz nicht besonders gut sind – man kennt es eventuell vom heimischen WLAN – dürfte sich der künftige Einsatz von unlizensiertem Spektrum im 5 GHz Bereich für die Mobilfunk-Anbieter hauptsächlich auf sogenannte Hotspots beschränken. Bahnhöfe, Flughäfen, Fußballstadien und weitere Orte mit hohem Besucheraufkommen könnten künftig von LAA profitieren. Wann und ob die Technik im Live-Netz ausgebaut wird, ist bislang aber noch unbekannt, auch wenn die ersten Tests vielversprechend sind.

Wer mehr über LTE-U bzw. LAA wissen möchte, findet viele Details und den aktuellen Stand der Planungen in diesem PDF von Qualcomm sowie in diesem PDF von Ericsson.

Update vom 04.02.2016: Herr Dr. Christian Hoymann (Ericsson) wies per Kontaktformular darauf hin, dass LTE-U nicht identisch zu LAA ist. LAA wird derzeit von der 3GPP Standardisierungs-organisation standardisiert (voraussichtlich in Rel. 13), während LTE-U auf einem Standard basiert, der von einem Industriekonsortium entwickelt wurde. Die Technik ist ähnlich, allerdings soll sich LAA schneller an die aktuelle Übertragungssituation adaptieren als LTE-U. Weiteres dazu auch in der angefügten Grafik, welche aus dem oben verlinkten Qualcomm PDF stammt.

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