Telekom MyWalletMobiles Bezahlen mit dem Smartphone ist ein ganz großes Thema für die nächsten Jahre und neben den Internet-Giganten wie Google und Apple stehen natürlich auch die Netzbetreiber in den Startlöchern, um an diesem Zukunftsmarkt zu partizipieren. Nachdem die Netzbetreiber Telefónica O2 und Vodafone mit ihren Systemen mpass und SmartPass bereits vor einiger Zeit an den Start gegangen sind, hat die Deutsche Telekom ihren Dienst MyWallet erst diese Woche gestartet. Ich hatte die Gelegenheit, MyWallet bereits einige Zeit zu testen – und kann sowohl von positiven als auch negativen Erfahrungen berichten.

Das MyWallet System
Die Deutsche Telekom arbeitet beim MyWallet System mit verschiedenen Partnern zusammen. Die Abrechnungssysteme werden – wie bei den Diensten von Telefónica O2 und Vodafone – von Wirecard übernommen, die Prepaid-Kreditkarte wird von Click and Buy ausgegeben und als „Kreditkarten-Marke“ kommt Mastercard mit dem paypass Bezahlsystem zum Einsatz. Die eigentliche Integration in das Smartphone inklusive der dazugehörigen Apps ist Aufgabe der Telekom.
Das ganze Bezahlsystem basiert also auf einer Prepaid-Kreditkarte, die vor Benutzung entsprechend aufgeladen werden muss. Einerseits ist das lästig, andererseits ist es natürlich sicherer, sollte das Handy bzw. der NFC-Sticker einmal verloren gehen. Der eigentliche Bezahlvorgang wird kontaktlos via NFC-Technologie abgewickelt und bedarf neben einem entsprechend ausgerüstetem Bezahl-Terminal natürlich eines NFC-Fähigen Endgerätes oder eines NFC-Stickers. Das Problem: für MyWallet reicht nicht nur einfach ein NFC-Smartphone, es muss speziell zugelassen und getestet sein und mit einem Telekom-Branding versehen sein. Das trifft derzeit nur auf einige Topseller von Samsung, Sony und HTC zu. Viele Interessenten werden sich daher mit einem NFC-Sticker zufrieden geben müssen, welcher natürlich nicht ansatzweise so komfortabel ist wie die im Endgerät integrierte Lösung.

Die Kosten
Die erstmalige Bestellung der MyWallet Karte über telekom.de/mywallet ist mit keinerlei Kosten verbunden. Auch die Nutzung ist kostenfrei, aber „Sonder-Dienste“ wie das Abheben von Guthaben an einem Geldautomaten werden extra bepreist. Die Aufladung der Prepaid-Kreditkarte kann via Überweisung oder Kreditkarte erfolgen, wobei bei Aufladung mit Kreditkarte eine Gebühr von 1,95% des Transaktionsvolumens anfällt. Entscheidet man sich für die Lösung mit NFC-Sticker, so ist ab dem 2. Jahr außerdem eine Kartenverwaltungsgebühr in Höhe von 9,95€ fällig, sollte der Jahresumsatz unter 600 Euro liegen. Insgesamt sind die Kosten meiner Meinung nach wenig transpartent und dürften der Durchsetzung von MyWallet eher schaden als nutzen – Internet-Riesen wie Google oder Apple würden einen solchen Dienst sicher kostenlos anbieten.

NFC-Fähiges Terminal
NFC-Fähiges Bezahlterminal

Das Einkaufserlebnis mit MyWallet
Nachdem man sich für MyWallet angemeldet hat, erhält man einige Tage später seine MyWallet Kreditkarte und ggfs. die NFC-SIM bzw. den NFC-Sticker. Diese Karten müssen nun noch online über die MyWallet-Homepage aktiviert werden, danach ist die Bezahlung sofort möglich. Kleinstbeträge unter 25 Euro können ohne Eingabe einer PIN bezahlt werden, über 25 Euro muss man die vierstellige PIN eingeben, wie man es von EC-Kartenzahlung bereits kennt.
Die Akzeptanzstellen sind derzeit noch nicht allzu verbreitet und hauptsächlich bei großen Warenhausketten, Tankstellen oder Restaurants zu finden. Leider sind die Terminals nicht immer einwandfrei als NFC-fähig identifizierbar und gefühlt 99% der Kassierer haben noch nie etwas von kontaktloser Bezahlung gehört, was die Sache noch einmal deutlich erschwert. Mastercard hat auf seiner Webseite zwar einen sogenannten PayPass Locator zur Verfügung gestellt, welcher Geschäfte mit entsprechenden Terminals aufzeigt. Allerdings habe ich mehrfach feststellen müssen, dass Geschäfte entweder gar nicht in der Liste aufgeführt wurden oder gelistet wurden und dennoch kein PayPass angeboten haben.

Meine erste Bezahlung mit MyWallet habe ich bei Starbucks durchgeführt. Dieses Geschäft bietet NFC-Terminals in all seinen Filialen an und die Bezahlung klappte reibungslos, der Kassierer kannte das mobile Bezahlen bereits. Anders die zweite Bezahlung: hier habe ich mir eine McDonalds Filiale ausgesucht, die nicht im PayPass Locator vertreten war. Dennoch zeigten die großen Displays der Bezahlterminals an der Kasse das „Drahtlos-Zeichen“ an, sodass ich Kartenzahlung verlangte. Noch ehe der Kassierer nach meiner Plastik-Karte gefragt hatte, war die Bezahlung abgeschlossen – der Kassierer war entsprechend sprachlos und informierte sich daraufhin erst mal bei mir, wie das so schnell geklappt hatte und welcher Anbieter die mobile Bezahlung ermöglicht.
Im Karstadt wenige Meter weiter das gleiche Spiel: die Kassiererin war der festen Überzeugung, kontaktlose Zahlung würde ihre Kasse nicht beherrschen. Erst nach mehrfacher Aufforderung ließ sie sich auf einen Test ein und war dann ganz erstaunt, dass es dennoch problemlos funktionierte.

Für Kostenkontrolle sorgt eine App, welche nicht nur den Guthabenstand auf der Prepaid-Kreditkarte anzeigt, sondern auch detailliert über Zahlungen bzw. Aufladungen informiert. So erhält man zum Beispiel eine Push-Nachricht, sobald eine Bezahlung durchgeführt wurde und wird benachrichtigt, wenn eine Aufladung eingebucht wurde.

Die MyWallet CardCheck App informiert über Bezahlungen.
Die MyWallet CardCheck App informiert über Bezahlungen.

Insgesamt ist das Einkaufserlebnis derzeit aber eher negativ: die Verbreitung der Terminals ist zu gering, die Kennzeichnung der NFC-Fähigkeit teilweise mangelhaft und der NFC-Chip bei jedem Terminal anders positioniert. So muss man das Handy manchmal seitlich an das Terminal halten, manchmal über das Display und manchmal gar auf das Display. Auch das Verkaufspersonal ist ein großes Hindernis, denn Schulungen scheint es bei neuen Kassenterminals nicht zu geben, die NFC-Technologie ist den meisten schlicht unbekannt. Hier muss man oftmals eine „Aufklärer-Rolle“ übernehmen. Teilweise macht das Spaß, teilweise ist es aber auch nervig bis peinlich.

Fazit
Insgesamt ist mobiles Bezahlen mit MyWallet von der Telekom ein guter Anfang und zumindest in der Theorie eine sehr schöne Alternative zum Bargeld. In der Praxis ist es aber noch sehr holprig und die Deutsche Telekom macht es Kunden alles andere als einfach, das System schnell und einfach auszuprobieren: die Bepreisung von MyWallet ist nicht ideal und die Praxis, dass nur Endgeräte mit Telekom-Branding unterstützt werden, könnte MyWallet letztendlich das Genick brechen. Hier muss die Telekom sehr schnell nachsteuern, wenn sie gegen Konzerne wie Google und Apple ankommen möchte. Diese sind aktuell in Deutschland zwar noch nicht vertreten, arbeiten im Hintergrund aber sicher bereits an entsprechenden Lösungen, die dann sicher kostenlos und plattformübergreifend funktionieren werden.