In Österreich ist heute die lang erwartete Spektrum-Auktion zu Ende gegangen. Der österreichische Staat erhält rund 2 Milliarden Euro, deutlich mehr als die drei in Österreich aktiven Netzbetreiber erhofft und erwartet hatten. Durch die Übernahme von Orange durch den Anbieter Hutchison 3 war die im europäischen Vergleich eh schon sehr späte Auktion noch weiter verzögert worden. Zum Vergleich: in Deutschland wurde das für LTE dringend benötigte Spektrum bereits im Frühjahr 2010 versteigert.
Der Ausgang der Auktion ist teilweise doch äußerst überraschend: so muss der Anbieter A1 Austria mit etwas über einer Milliarde Euro zwar den größten Betrag zahlen, hat aber auch sehr gute Lizenzen erworben. Hutchison 3 ist dagegen laut Pressemeldung „mit einem blauen Auge davon gekommen“ und hat trotz Investitionen von rund 330 Millionen Euro keine der wertvollen Frequenzblöcke im 800 Megahertz Band ersteigert. Das genaue Auktions-Ergebnis sieht wie folgt aus:

Spektrum Österreich

Insgesamt 2x 140 MHz versteigert
Die österreichische Regulierungsbehörde hat Lizenzen im Umfang von insgesamt 2x 140 Megahertz versteigert. Darunter waren auch 6 Blöcke (1 Block = 2x 5 MHz) im begehrten Frequenzbereich um 800 Megahertz (digitale Dividende). Außerdem wurde diverses Spektrum im Bereich um 900 MHz und 1800 MHz versteigert. Diese Frequenzbänder werden größtenteils bereits von den Anbietern für Sprach- und Datendienste genutzt, allerdings laufen die Lizenzen in den kommenden Jahren aus, sodass für ein Weiterbetrieb eine neue Lizenz nötig ist.
Bei der Auktion konnte A1 Telekom Austria 2x 70 Megahertz, also genau die Hälfte des versteigerten Spektrums, erwerben. Die Tochter der Deutschen Telekom – T-Mobile Austria – hat 2x 45 MHz ersteigert und der Anbieter Hutchison 3 lediglich 2x 25 MHz. Aus diesen Zahlen lässt sich auch die ungefähre Kostenaufteilung herleiten: A1 Telekom Austria muss 1.030 Millionen Euro an den Staat zahlen, T-Mobile 654,5 Millionen Euro und Hutchison 3 etwa 330 Millionen.

A1 Telekom Austria klarer Gewinner
Wie aus der Tabelle sofort ersichtlich ist, kann sich A1 Telekom Austria als eindeutigen Gewinner der Auktion bezeichnen. Der Anbieter hat 4 Blöcke, also insgesamt 40 MHz Spektrum im Bereich um 800 Megahertz ersteigert, sodass A1 künftig in der Lage ist, selbst auf dem Land mit 20 MHz im Up- und Downlink Geschwindigkeiten von bis zu 150 MBit/s über LTE Kategorie 4 anzubieten. T-Mobile AT hat lediglich die Hälfte des Spektrums in diesem Bereich und kann daher nur maximal 50 MBit/s mit der aktuellen LTE-Technologie anbieten.
Auch im Bereich um 900 und 1800 MHz war A1 Telekom Austria erfolgreich, so hat der Provider 2x 15 MHz im 900er Bereich und 2x 35 MHz im 1800er Bereich. Damit sind auch mit LTE1800 die vollen 150 MBit/s erreichbar. Den Bereich um 900 MHz will A1 vorerst weiterhin für UMTS-Dienste nutzen, genau wie das Spektrum um 2100 MHz, welches der Anbieter bereits im Einsatz hat. LTE wird daher  bei A1 sowohl auf 800 MHz als auch auf 1800 MHz und 2600 MHz eingesetzt werden.

T-Mobile Austria mit vernünftiger Basis
Während A1 genügend Funkspektrum für nahezu alle möglichen Entwicklungen im Markt vorweisen kann, hat T-Mobile Austria nur das Nötigste ersteigert. So kann man mit 2x 10 MHz im Bereich um 800 MHz ein kostengünstiges, flächendeckendes LTE-Netz aufbauen und so schnell viele Bürger versorgen, allerdings sind die Geschwindigkeiten auf 50 MBit/s beschränkt.
Im Bereich um 1800 MHz kann die T-Mobile Austria mit LTE Kategorie 4 bis zu 150 MBit/s anbieten, da hier bis zum Jahre 2034 durchgehend mindestens 2x 20 MHz zur Verfügung stehen. Auch im Bereich um 2600 MHz hat die Tochter der Deutschen Telekom genügend Spektrum für hohe Geschwindigkeiten.

Hutchison 3 ist klarer Verlierer
Wie das Ergebnis bei Hutchison Drei so übel ausfallen konnte, weiß wohl noch keiner so genau. Im enorm wichtigen 800 MHz Band haben die Chinesen kein Spektrum ersteigert, obwohl schon 2 Blöcke ausgereicht hätten, um ein solides LTE-Netz aufzubauen. Eventuell gab es von der Konzernmutter aber finanzielle Grenzen, die nicht überschritten werden durften. Nun muss Hutchison lediglich etwa 330 Millionen Euro zahlen und bekommt dafür Lizenzen im Bereich um 900 MHz und 1800 MHz.
Hutchison 3 muss in den nächsten Jahren auf Sparflamme kochen, ein gutes, flächendeckendes LTE-Netz wird der Anbieter nur mit massiven Investitionen in zusätzliche Standorte bekommen können. Wie in der oben stehenden Tabelle ersichtlich ist, hat das Unternehmen lediglich 2x 20 MHz im Bereich um 1800 MHz zur Verfügung und 2x 5 MHz im Bereich um 900 MHz. Außerdem ist aus einer früheren Auktion noch Spektrum im 2600er Bereich vorhanden. Dennoch: für LTE eignen sich eigentlich nur die Frequenzbänder um 1800 und 2600 MHz – das Spektrum um 900 MHz wird für GSM benötigt.

Anbieter bemängeln Auktionsverfahren
Alle drei Netzbetreiber gehen in ihren Presseaussendungen ausführlich auf das Auktionsverfahren ein, welches ihrer Meinung nach völlig überhöhte Preise zur Folge hatte. Insbesondere Hutchison kritisiert die österreichische Regulierungsbehörde stark. T-Mobile Austria CEO Andreas Bierwirth fordert in Folge der unerwartet hohen Erlöse für den Staat eine technologieneutrale Breitbandförderung von einer Milliarde Euro. Hintergrund: eigentlich wurden Erlöse von etwa 600 Millionen Euro erwartet, von denen der österreichische Staat rund die Hälfte in den Breitbandausbau investieren wollte.

Tabelle: A1

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