In der letzten Zeit häufen sich die Meldungen von verärgerten Vodafone LTE Kunden, dass sie besonders in den Abendstunden mit langsamen Internetverbindungen zu kämpfen haben. In einschlägigen Onlineforen kann man diverse Erfahrungsberichte lesen, es wird sich fast immer über das gleiche Muster beschwert: früher waren hohe Geschwindigkeiten möglich und alles lief bestens, heute sind besonders in den Abendstunden oft nur rund 1 MBit/s im Download möglich.

Überlastungen im LTE Netz

Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Geschwindigkeitsschwankungen auf Überlastungen durch zu viele Nutzer zurück zu führen sind. Wie jede andere Funktechnik auch, ist LTE ein shared medium. Bedeutet: alle Nutzer einer Funkzelle teilen sich die Geschwindigkeit. Eine solche LTE Basisstation ist bei Vodafone in der Regel mit 155 MBit/s angebunden – entweder per Richtfunk oder per Glasfaser. Besonders in den Abendstunden sind sehr viele Nutzer online und so kommt es, dass zum Beispiel statt 20 MBit/s am Tage nur noch 5 MBit/s am Abend möglich sind.

Doch wie lässt sich dieses Problem lösen? Leider gar nicht, man kann es nur entschärfen, in dem man als Anbieter entweder in weitere LTE Sender investiert oder durch den Einsatz weiterer Frequenzen etwa um 2600 MHz zusätzliche Kapazitäten bereit stellt. Auch der Einsatz einer höheren LTE Kategorie kann zusätzliche Kapazität schaffen (vergleichbar mit UMTS und dem Datenbeschleuniger HSDPA). Nachteil all dieser Lösungen: die Kunden brauchen zwingend neue Hardware, denn Easybox/Turbobox und B1000 Router können nur die 800 MHz Frequenzen und nur LTE der Kategorie 3. Lediglich neue Standorte könnten also eine Lösung sein, die schnell und ohne Hardware-Tausch auf der Kundenseite zu realisieren ist.

Eigene Erfahrungen in Dresden

Auch wir von maxwireless.de haben entsprechende Erfahrungen in der Innenstadt von Dresden gemacht. Dort haben wir seit Oktober 2011 einen LTE-Anschluss von 1&1 mit bis zu 21,6 MBit/s im Download im Einsatz, da kein DSL und auch kein Kabelinternet zur Verfügung steht und nur UMTS als Alternative bleibt. Während in den ersten Monaten fast immer die 21,6 MBit/s erreicht wurden, fielen Anfang 2012 erste Überlastungserscheinungen auf, in den Abendstunden war nicht mehr die volle Geschwindigkeit erreichbar. Tragisch war das aber nicht, denn mit 5 MBit/s lässt es sich ja auch ganz gut leben. Anfang Juni 2012 sind aber zum Teil nur noch knapp 1 MBit/s möglich – scheinbar sind sehr viele neue LTE Nutzer hinzu gekommen. Interessant: seit 2011 ist der LTE Empfang sogar besser geworden, da eine weitere Station hinzu gekommen ist. Leider hat das die Lage kaum gebessert.

Auch im Vodafone Online-Forum häufen sich die Berichte klagender Nutzer: dem einen Nutzer wird eine Außenantenne zur Behebung der Probleme empfohlen, obwohl er bereits eine solche Antenne nutzt, beim anderen Nutzer ist der Beschwerde-Thread schon auf stolze 5 Seiten angewachsen. Wer etwas im Vodafone Forum herum blättert wird merken, dass es sich wohl kaum noch um Einzelfälle handelt.

Eine intelligente Drosselung muss her

Aktuell ist es so, dass im Vodafone LTE Netz keine Drosselung aktiv ist, obwohl in den Tarifen verschiedene Volumina festgeschrieben sind, nach denen theoretisch auf 384KBit/s gedrosselt werden soll. Anfragen zum Thema Drosselung kommentiert die Vodafone Pressestelle aber generell nicht, daher sind bisher auch nur Mutmaßungen im Raum, was eine zukünftige, eventuelle Drosselung angeht. Der eine Nutzer meint von seinem Vodafone Shop gehört zu haben, dass die Drosselung nie mehr kommen werde, der andere wiederum warnte bereits im Februar, dass die Drossel „zur CeBIT 2012“ eingeschaltet wird. Während das also alles Kaffeesatzleserei ist, ist eines Fakt: das fehlen einer Drosselung entschärft das Überlastungsproblem nicht gerade!

Auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass sich die meisten Kunden sehr darüber freuen, dass nicht gedrosselt wird. Lieber den ganzen Monat nur mit 3 MBit/s surfen, als eine Woche mit 21 MBit/s und den Rest mit 384 KBit/s. Doch eigentlich kann das auch nicht Sinn der Sache sein, es müsste eine intelligente Drosselung her: Sobald man sein Volumen von sagen wir 30 Gigabyte im Monat überschreitet, wird man gedrosselt – aber nur, wenn das Netz wirklich überlastet ist und andere Nutzer nicht mehr ihre volle Geschwindigkeit erreichen können. Wenn das Netz „frei“ ist und nur wenig genutzt wird, sollte man auch weiterhin mit Fullspeed surfen können. Ob so eine Drossel jemals kommt, ist mehr als fraglich – technisch möglich wäre sie aber sicherlich!