Test Samsung Galaxy Tab 8.9 LTE

Samsung kündigte das 8,6mm dünne Galaxy Tab 8.9 LTE (Modellbezeichnung GT-P3720) vor etwa einem Jahr auf der IFA an. Am deutschen Markt muss man sich zwischen der Telekom und Vodafone entscheiden, wenn man das Tablet direkt beim Netzbetreiber kaufen will. Im freien Handel ist das Galaxy Tab 8.9 LTE nur sehr begrenzt verfügbar. In Österreich befindet sich das Tablet in der exklusiven Vermarktung durch T-Mobile. Seit Ende Juni ist das Tablet nicht mehr nur für Geschäftskunden des Bonner Mobilfunkriesen verfügbar, sondern auch Privatkunden können es ordern. Die Telekom Deutschland importiert das Gerät über die österreichische Mobilfunktochter, T-Mobile Austria, aufgrund des dauerhaft anhaltenden Patenstreits zwischen Apple und Samsung. Beim Düsseldorfer Konkurrenten geht man ähnliche Wege. Vodafone hat das Samsung Tablet seit ein paar Wochen aktiv in der Vermarktung. Die Vodafone Version kommt von der portugiesischen Gesellschaft. Grundlegend unterscheiden sich die Varianten der beiden Netzbetreiber nicht. Die Telekom Version, besser gesagt die der T-Mobile Austria, hat jedoch einen nicht zu verachtendes Merkmal, dass für den ein oder anderen von großer Bedeutung sein kann. In den Einstellungen lässt sich das von der T-Mobile (und Telekom) vermarktete Tablet auf „Nur LTE“ festlegen. Vodafone Kunden müssen hier zurückstecken, denn bei der portugiesischen Version ist der Menüpunkt nicht enthalten.

Lieferumfang und der erster Eindruck

Unser Testgerät der T-Mobile Austria ist bis auf den SIM-Lock und das Branding nahezu identisch mit der Version, welche die Telekom in Deutschland vertreibt. Der Lieferumfang ist mit Lade- und USB-Kabel sowie Kopfhörer sehr überschaubar. Das Software Branding fällt im Prinzip gar nicht auf. Beim Ein- und Ausschalten blinkt kurz das T-Mobile Logo auf. Ansonsten ist nur die Mediencenter App vorinstalliert. Das 455g leichte Tablet liegt gut in der Hand. Positiv ist zu dem die Gummierung auf der Rückseite aufgefallen, die ein Rutschen auf glatten Oberflächen verhindert und dadurch auch griffiger in der Hand liegt.

Geschwindigkeit, Betriebssystem

Die uns vorliegende Version des Galaxy Tab 8.9 LTE wurde mit dem schon etwas älteren Android 3.2 (Honeycomb) ausgeliefert. Inhalte werden flott aufgerufen und flüssig ausgeführt. Apps starten schnell und lassen nicht auf sich warten. Während unserer Testphase „ploppte“ eine Aktualisierungsmeldung der Software auf. Sichtbar geändert hat sich durch das 2,41 MB kleine Update nichts. Auch war kein Changelog enthalten. Wer auf das Update 4.0 also ICS oder das neue Jelly Bean spekuliert dem sei gesagt, dass Samsung bisher noch kein Update angekündigt hat und in der Beziehung auch sehr einem Glücksspielt gleich kommt. Abgesehen davon werden neue Tablets erwartet, die ebenfalls LTE unterstützen und bereits die neue Android Version an Board haben.

Display und Kamera

Das mit 1280 x 800 Pixel aufgelöste 8.9“ TFT Display gibt Inhalte farbengetreu wieder, wer genauer hinsieht wird jedoch feststellen, dass das Display etwas grobkörniger ist. Bilder betrachtet man lieber, als das man welche macht. Entweder wird stattdessen besser die Digitalkamera oder das Smartphone gezückt. Das Galaxy Tab eignet sich mit seiner 3 Megapixel Linse nur für Schönwetter-Schnappschüsse. Videoaufnahmen werden dagegen maximal in HD 720p aufgenommen und können sich sehen lassen. Jetzt im Sommer nimmt man das Tablet auch gerne mit raus an die frische Luft. Strahlt die Sonne direkt auf das Display spiegelt es extrem stark – auch bei indirektem Lichteinfall hilft es wenig bis gar nichts die Displayhelligkeit zu erhöhen.

Musik und Entertainment

YouTube spielt auf mobilen Endgeräten und gerade bei Tablets eine wichtige Rolle. Da kommen die Videos auch richtig zur Geltung und man bekommt keinen „Augenkrebs“ auf dem kleinen (Smartphone-)Bildschirm. Bedauerlicherweise wird die Bildqualität bei der Nutzung von UMTS heruntergesetzt und es gibt nur entweder via LTE oder WLAN HD-Clips zu sehen. Wie zu Beginn ersichtlich wird, unterstützt das Tablet DC-HSPA+ mit 42 MBit/s. Also kann man davon ausgehen, dass auch die UMTS Geschwindigkeiten für HD-Videos reichen würden. Der Wert ist zwar nur theoretisch angesetzt, jedoch reicht nur ein Bruchteil des Downlinks aus um ein HD Video ohne Probleme wiedergeben zu können. Die Schuld liegt aus meiner Sicht nicht bei Samsung, sondern bei Google, da es sich bei anderen Geräte (dem HTC One XL) genauso verhält. Wechselt man aus der Hauptansicht der Standard YouTube Applikation in die Einstellungen und geht von dort in den Reiter „Allgemein“, bietet die App an „Mobil hohe Qualität“ wiederzugeben. Jetzt denkt sich der ein oder andere, dass er auch unterwegs HD Videoqualität bekommt – doch weit gefehlt. Videos werden lediglich in HQ (High Quality) abgespielt und es fällt kaum ein Unterschied zur normalen Auflösung auf – schlecht aufgelöste Pixel wohin das Auge reicht!

Abgesehen von der Unterhaltung durch YouTube lassen sich mit dem Tablet Videos in Full HD wiedergeben. DiVX-Unterstützung ist von Haus aus gleich mit dabei. Unschön bei der Videowiedergabe ist die Leiste am unteren Bildschirmrand, die eine Vollbildwiedergabe verhindert. Die Synchronisation von Medieninahlten erfolgt entweder über den Arbeitsplatz oder über Samsung Kies. Musik aus iTunes lies sich partout nicht nicht abgleichen. Musikdateien aus dem Windows Mediaplayer übernimmt das Gerät. Hier kann man die schon erstellten Playlists auswählen und diesen werden dann im auf das Tablet eingespielt. Dabei werden nur die Titel der Playlist auf dem Tablet abgelegt und nicht die Playlists gleich. In diesem Punkt darf sich Samsung eine Scheibe bei HTC abschneiden. Mittels HTC Sync erfolgt der Transfer ohne Probleme und es werden auch Wiedergabelisten aus iTunes übernommen. Der Musikplayer am Tablet selbst ist übersichtlich und spaltet Musik, sofern in den ID-Tags angegebenen, außer den sonst üblichen Kategorien Musiktitel auch nach Erscheinungsjahr.

Mittels der Allshare Funktion lassen sich Medieninhalte wie Bilder, Musik und Videos zwischen PC und Samsung Smart TV austauschen, ob andere DLNA fähige TVs unterstützt werden, konnte ich beim Test nicht überprüfen. Da weder ein Samsung Smart TV noch ein anderer TV mit DLAN zur Verfügung stand, wurde der Stream über den PC realisiert. Die dafür notwendige App ist bereits am GT-P7320 vorinstalliert. AllShare für den PC muss erst über die Samsung Internetseite bezogen und schließlich installiert werden. Danach gilt es dass sich beide Geräte also PC und Tablet auch finden. Dazu müsse die jeweiligen Geräte sich im selben Netzwerk befinden.  Als Schnittstelle für den Stream zwischen PC und Tablet diente ein Huawei B593 LTE Router. Bild- und Videostreaming funktionierte tadellos in beide Richtungen. Doch beim Musikstreaming zickte das Tablet und ermöglichte keine Wiedergabe über den PC.

Akku und Empfang

Kommen wir zu den zwei entscheidenden Faktoren, die das Samsung Tablet ausmachen und warum es von LTE Interessenten gekauft werden sollte. Auf der einen Seite handelt es sich dabei um die sehr gute Akkulaufzeit – die trotz LTE hervorragend ist. Das verbaute LTE Modul bucht sich im LTE Netz auf den drei Frequenzen 800/1800/2600 MHz ein. In Österreich ist sind bis dato nur LTE Netze der Kategorie 3 auf dem 2600 MHz Frequenzband on Air. Das koreanische Tablet schafft es selbst bei weniger gutem LTE Empfang (ca. -85dBm), dass der Akku mehr als einen Arbeitstag (>8 Stunden) ausreicht!  Die Downloadraten bei schwachem Empfang (-100dBm) immer noch bei 15 MBit/s. Der Uplink unterdessen unterlag häufigen Schwankungen. Je nach Signalstärke 3 – 12 MBit/s. Unter sehr guten Bedingungen, das Tablet zeigte Vollausschlag (ca. 69dBm) an, sind in der Spitze 60 MBit/s und im Durchschnitt 45 MBit/s gemessen worden. Im UMTS Netz mit Dual Carrier HSPA+ (42 MBit/s) kamen 20 – 26 MBit/s bei gutem Pegel  rum. Uplink-Werte lassen sich im Durchschnitt mit 3,5 MBit/s beziffern. Alles in allem zufriedenstellend. In den Einstellungen lässt sich sehr gut der Akkuverlauf nachvollziehen, welche Anwendung oder Funktion wann und vor alle wie intensiv genutzt wurde.

Fazit

Mit dem Galaxy Tab 8.9 LTE zeigt Samsung, dass LTE kein Stromfresser sein muss und eine lange Akkulaufzeit durchaus realisierbar sind. Das Galaxy Tab in der LTE Variante ist nur mit 16 GB Speicher verfügbar und davon stehen lediglich 11,5 GB zur freien Verfügung. Für ein Tablet, das so viele Möglichkeiten bietet, ist das eindeutig zu wenig Speicherplatz. Zu dem kommt hinzu, dass sich der Speicherplatz nicht über eine Speicherkarte erweitern lässt. Durch das spiegelnde Display rückt das Tablet in ein schlechtes Licht und ist damit für den Einsatz bei Sonnenschein sehr ungeeignet. Weiteres Manko, dass Google oder Samsung verbockt haben, ist die Menüleiste, die bei der Wiedergabe von Videos einen schwarzen Streifen am unteren Displayrand hinterlässt und ein Vollbild ausschließt. Auf dem deutschen Mobilfunkmarkt geht das Tablet bei Vodafone ohne Vertrag für rund 640€ über die Ladentheke. Kunden der Deutschen Telekom können das GT-P7320 für satte 700€ ohne Vertrag beziehen. Mit Abschluss eines 24-Monatsvertrags ist das Tablet dagegen subventioniert zu einem wesentlich günstigeren Preis erhältlich.