Nokia zeigte heute das N9, welches Nokia im Kampf gegen Android und iOS neu positionieren soll. Dabei wirkt das N9 vor allem so, als hätte man sich von allen Altlasten getrennt: ein neues, schickes Design, zeitgemäße Hardware und ein leistungsfähiges Betriebssystem. Genauer gesagt fräst Nokia das N9 aus einem einzigen Polycarbonat Block, also einem kratzfestem Plexiglas. Dieses verschmilzt mit dem gebogenen 3,9 Zoll großen AMOLED Display zu einer Fläche und ist gut geeignet, um Antennenprobleme wie beim iPhone 4 vorzubeugen.
Doch auch die darunterliegende Hardware ist (noch) zeitgemäß. So arbeiten ein Texas Instruments OMAP3630 mit 1GHz Taktfrequenz und 512MB RAM Hand in Hand, während Daten ihren Platz im wahlweise 16GB oder 64GB großen NAND Flash finden. Eine Möglichkeit zur Speichererweiterung gibt es übrigens nicht. Gefunkt wird beim N9 via HSUPA, WLAN oder Bluetooth während ein Kompass und ein Beschleunigungssensor jederzeit über die genaue Lage des Gerätes Bescheid wissen. Die Kamera kommt wie gehabt von Carl Zeiss Optik, hat einen 8 Megapixel starken Sensor und ist in der Lage, HD Video mit 720p aufzunehmen.
Besonders wichtig ist neben der Hardware aber auf dem Gerät arbeitende Software, und die ist nun endlich nicht mehr (nur) von Nokia, sondern stammt aus einer Kooperation mit Intel. Da Nokia schon mehrfach angedeutet hatte, MeeGo fallen zu lassen, dürfte wohl der wichtigste Teil der Software von Intel stammen, die ein zunehmendes Interesse am Smartphonemarkt haben. Von Nokia stammt die grafische Oberfläche sowie einige Dienste, der Rest gehört zum Linuxkern des OS. Wie wichtig dieser Schritt zu zeitgemäßer Software ist, zeigt sich einmal mehr in der Bedienung: So verzichtete man komplett auf Tasten unter dem Bildschirm, entsperrt wird mittels einer Wischgeste, die auch sonst überall zum Einsatz kommen. Insgesamt wirkt das System ein wenig bei Windows Phone abgekupfert, kann aber dennoch Akzente setzten.
Soviel Gutes muss doch auch seine schlechten Seiten haben, oder etwa nicht? Ja, hat es auch. Und diese fällt nicht gerade klein aus, sondern wird vielmehr das KO Argument gegen das N9 sein: Derzeit setzt Nokia alles auf Windows Phone 7 und will komplett auf dieses System migrieren, für eine Zukunft von MeeGo in der Smartphoneflotte gibt es keine Anzeichen. Und selbst wenn jeder Nutzer die offiziellen MeeGo Releases installieren könnte, fehlen der Plattform schlichtweg die Entwickler. Dieses Problem wird sich in Zukunft noch weiter zuspitzen, da es fortan vermutlich nur noch drei große Plattformen geben wird und zwar Android, iOS und eben Windows Phone. Der Rest der Betriebssysteme wie etwa Samsungs (schon abgekündigtes) Bada OS wird mit der Zeit unter dem Teppich verschwinden und keine ernsthafte Konkurrenz und Entwicklerbasis haben.
Als Fazit kann man also bereits jetzt sagen: Nokia hat die Grundlage für einen Erfolg von MeeGo mit diesem Gerät gesetzt – auf der technischen Seite ist das N9 voll auf der Höhe der Zeit. Nun liegt es an Nokia, ob man diese Chance nutzen will – und dafür spricht leider nicht viel, sodass das N9 letztendlich wahrscheinlich genau so stiefmütterlich behandelt wird wie das N900 damals. Erste Anzeichen dafür: Es wurde weder ein Preis noch ein Erscheinungsdatum genannt, nur „später in diesem Jahr“ war von offizieller Stelle zu vernehmen.






