DTAG Investitionen Netz

Die Telekom investiert bis 2015 rund 25 Milliarden Euro in den Netzausbau, das war die Haupt-Nachricht des Medien-Events am 03.09.2013 in Berlin. In den nächsten Jahren wird es einen massiven Ausbau der VDSL-Vectoring Technologie geben, außerdem wird der FTTH Glasfaser-Ausbau weiter vorangetrieben. Doch wer profitiert vom Ausbau? Welchen Versorgungsgrad sieht die Deutsche Telekom als Ziel an? Und was geschieht mit den vielen unversorgten Gebieten auf dem Land? All diese und noch viele weitere Fragen soll dieser Artikel beantworten.

VDSL Vectoring: 100 MBit/s über Kupfer
Vor wenigen Wochen kam die Erlaubnis von der Bundesnetzagentur: die Deutsche Telekom darf die VDSL Vectoring Technologie in ihrem Netz einsetzen. Vectoring erlaubt Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde im Download über die gewöhnliche Kupferleitung, also ohne das Glasfaser direkt in das Gebäude verlegt werden muss. Das spart nicht nur eine Menge Zeit und Geld beim Ausbau, sondern ermöglicht der Telekom auch einen vergleichsweise schnellen Ausbau, da nicht jeder Hauseigentümer um Erlaubnis gebeten werden muss.

Vectoring_Mehr Tempo im Festnetz_2

Bei VDSL Vectoring wird die Glasfaser näher zu den Kunden gelegt, so wie man es von „normalem“ VDSL aus vielen Großstädten schon kennt. Bestehende KVZ (Kabelverzweiger) werden mit aktiver Technik überbaut. In den dann MFG (Multifunktionsgehäuse) genannten „Kästen“ befinden sich dann die xDSL Ports, also quasi das Gegenstück zum heimischen Modem. Die Ports werden im Gegensatz zu den heute eingesetzten Modellen alle gängigen DSL-Standards, angefangen von ADSL über VDSL2 bis hin zu VDSL Vectoring, unterstützen.
Die Leitungslänge zu den Kunden verringert sich durch den Ausbau in den meisten Fällen von einigen Kilometern auf wenige hundert Meter. Die Besonderheit der Vectoring-Technologie im Vergleich zu normalem VDSL2 ist nun, dass elektromagnetische Störungen in der Kupferleitung ausgeglichen werden können.

Zahl der Baustellen wird mehr als verdoppelt
Aktuell verfügt die Deutsche Telekom über rund 3.500 Kilometer Glasfaserkabel in Deutschland, bis 2014 wird das Glasfasernetz fast verdoppelt, Ende 2014 sollen bereits 6.250 Kilometer Glasfaser in der Erde liegen. Es versteht sich von selbst, dass dafür eine große Zahl neuer Baustellen entstehen wird, denn zur Verlegung der Glasfaser-Leitungen muss in den meisten Fällen die Straße oder der Gehweg aufgerissen werden. Dadurch erhöht sich laut Telekom die Zahl der Baustellen von aktuell ca. 25.000 auf mehr als 50.000 in 2014 – ein ganz massiver Ausbau also.

Grafik-Telekom-Netzoffensive

Die Investitionen in das Netz betragen jedes Jahr mehrere Milliarden Euro. So werden 2013 rund 3,4 Mrd. Euro investiert, 2014 rund 4,1 Milliarden und 2015 rund 4,3 Milliarden. Der Schwerpunkt der Investitionen liegt ganz klar auf VDSL Vectoring, aber auch FTTH (Fiber To The Home) wird weiter ausgebaut.

VDSL Vectoring bis 2018 in 80% der Haushalte
Die Pläne der Deutschen Telekom sehen vor, bis zum Jahr 2018 die VDSL-Vectoring Technologie in rund 80% der Deutschen Haushalte zur Verfügung zu stellen. Bis 2016 sollen schon 65% der Haushalte versorgt sein. Dabei erfolgt der Ausbau Anfangs vor Allem dort, wo es bisher noch gar kein (Outdoor-) VDSL gibt, also in kleineren Städten und Gemeinden. Hier werden die bestehenden KVZ per Glasfaser angebunden und die aktive Technik von der Vermittlungsstelle in die neuen MFG verlagert, sodass die Leitungslänge verkürzt wird. Nicht wenige Haushalte dürften dadurch erstmals in den Genuss von Geschwindigkeiten größer als 2 Megabit pro Sekunde kommen.
Die Telekom hat auf ihrer Pressekonferenz auch direkt 44 Städte und Gemeinden genannt, welche noch im Jahre 2013 in den Genuss von Glasfaser bzw. Vectoring kommen werden, darunter zum Beispiel Baden-Baden, Aalen, Kevelaer, Kleve, Offenburg und Siegburg.

Für kleine Ortschaften auf dem Land besteht leider auch mit der angekündigten Ausbau-Offensive nicht mehr Hoffnung als vorher schon: die Telekom baut nur wirtschaftlich sinnvolle Gebiete aus, daher werden bis 2018 auch „nur“ 80% der Haushalte und nicht etwa 95% versorgt. In Verbindung mit Förder-Maßnahmen der Städte und Gemeinden kann sich die Telekom aber durchaus auch einen Ausbau von VDSL2 Vectoring in Gebieten vorstellen, in denen es rein privatwirtschaftlich keinen Sinn gemacht hätte.

Bestehende Outdoor-DSLAMs werden später umgerüstet
Viele Städte und Gemeinden wurden in den letzten Jahren bereits mit Outdoor-DSLAMs ausgerüstet. Während auf dem Land vor Allem Reichweiten-Outdoor-DSLAMs aufgebaut wurden, welche lediglich ADSL2+ mit bis zu 16 MBit/s unterstützen, wurden in vielen Großstädten reine VDSL-Outdoor-DSLAMs gebaut, die Kunden auf Wunsch mit bis zu 50 MBit/s versorgen. Für beide Varianten der Outdoor-DSLAMs gilt: sie werden auf VDSL Vectoring umgebaut, allerdings nicht 2013 und 2014, sondern eher in den Jahren 2015 und 2016. Insbesondere auf dem Land müssen sich viele Haushalte also auch weiterhin mit 16 MBit/s begnügen, Entertain ist hier nicht verfügbar.

Vectoring in Griechenland

Nach Vectoring kommt FTTH
VDSL2 Vectoring wird von der Telekom ganz klar als Zwischenschritt hin zu Glasfaser bis ins Haus verstanden. Laut Dr. Bruno Jacobfeuerborn, Geschäftsführer Technik Deutsche Telekom GmbH, wird die „Lebensdauer“ der Kupferleitungen dadurch bis mindestens 2020 verlängert und damit den aktuellen technischen Entwicklungen gerecht. Doch langfristig führt kein Weg an einer direkten Glasfaser-Anbindung der Haushalte vorbei, daher wird FTTH bei der Telekom auch weiterhin parallel zu VDSL ausgebaut.
Während VDSL2 Vectoring je nach Qualität und Querschnitt der Kupferleitung bis zu 600 Meter die vollen 100 MBit/s im Download und 40 MBit/s im Upload ermöglicht, sind bei FTTH bzw. FTT.dp Bandbreiten im Gigabit-Bereich möglich. Bei FTTH wird die Glasfaser bis zum Modem im Haus verlegt, bei FTT.dp wird die Glasfaser bis ins Haus verlegt, die Inhouse-Verkabelung erfolgt aber weiter über Kupfer.

xDSL Entwicklung DTAG

Wechsel auf Full-IP bis 2018
Möglichst bis zum Jahre 2018 möchte die Deutsche Telekom ihr komplettes Netz auf die IP-Technik umgestellt haben, analoge Anschlüsse soll es dann nicht mehr geben. Theoretisch müsste dann jeder Anschluss, egal ob Student oder Rentner, egal ob Telefon-Only oder Triple-Play, mit einem IP-Modem ausgestattet werden. Bei Neuanschlüssen wird bereits heute nur noch auf IP-Basis geschaltet, bei Altkunden erfolgt der Wechsel sukzessive. Dennoch wird es insbesondere bei älteren Kunden große Vorbehalte der IP-Technologie gegenüber geben, so fällt zum Beispiel die Möglichkeit weg, bei einem Stromausfall weiter telefonieren zu können.

Um auch die restlichen Kunden auf IP wechseln zu können, ohne dass diese etwas davon merken, gibt es bestimmte Linecards, welche das Signal in der Vermittlungsstelle bzw. im MFG am Straßenrand von Analog auf IP wandeln. Die Technik wird dann einfach in die gleichen Racks eingebaut, in denen bereits die XDSL-Ports untergebracht sind. Aktuell ist diese Technik laut Telekom noch zu teuer und nicht marktreif, aber bis 2018 ist ja noch etwas Zeit.