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Kommentar: E-Plus plant LTE auf 3,5 GHz Frequenzband

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Vor einigen Tagen machte die Meldung die Runde, E-Plus wolle in Zukunft auch Frequenzen um 3500 MHz für den LTE Ausbau einsetzen. Dazu haben die Düsseldorfer zwei frühere WIMAX Anbieter (Clearwire Germany und Inquam Broadband GmbH) übernommen und sich so insgesamt 2x 42 MHz im 3,5 GHz Bereich gesichert. Auf den ersten Blick sieht das vielleicht noch ganz vernünftig aus, doch schaut man sich die aktuelle Frequenzausstattung und die Eigenheiten der 3,5 GHz Frequenzen einmal genauer an, so wird schnell deutlich, dass der Kauf der beiden WIMAX Anbieter eine ziemliche Verzweiflungstat war.

E-Plus hat keine ideale Frequenzausstattung

Insgesamt betrachtet hat die E-Plus Gruppe keine besonders gute Frequenzausstattung, zumindest nicht für den flächendeckenden Ausbau auf dem Land. Im 900 MHz Bereich steht nur wenig Funkspektrum zur Verfügung, sodass LTE oder UMTS hier nur sehr bedingt Sinn machen, auch wenn die Nutzung dieses Frequenzbereiches mittlerweile technologieneutral ist. Bei der Auktion der wichtigen 800 MHz Frequenzen im Jahre 2010 ist E-Plus leer ausgegangen, sodass auch zukünftig auf dem Land keine gute und vor Allem kostengünstige LTE-Versorgung möglich sein wird. Besser sieht es dagegen bei den Frequenzen im 1800 MHz Bereich aus, hier hat die E-Plus Gruppe mit rund 50 MHz sogar das meiste Spektrum aller Betreiber – Städte sollten sich damit in Zukunft sehr gut per LTE versorgen lassen, die Telekom macht es ja gerade vor. Nur bei der indoor-Versorgung werden wieder die fehlenden 800 MHz Frequenzen auffallen.

Im Moment noch recht unbedeutend, aber in Zukunft womöglich lebensnotwendig: die Frequenzen im 2600 MHz Bereich, mit denen die sogenannten Hotspots, also Bereiche mit sehr hohem Datenaufkommen, abgedeckt werden sollen. Während den anderen drei Betreibern hier mindestens 2x 20 MHz gepaartes Spektrum zur Verfügung stehen, muss E-Plus mit vergleichsweise mageren 2x 10 MHz vorlieb nehmen, dazu kommen noch mal 2x 5 MHz ungepaartes Spektrum in diesem Bereich. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum nun die 3500 MHz Frequenzen erworben wurden.

LTE3500: geringe Reichweite und Endgeräte ungewiss

Die 2x 42 MHz im 3500 MHz Band sind auf jeden Fall eine riesige Menge und bieten wohl auf absehbare Zeit genügend Reserven für ein modernes Highspeed-Mobilfunknetz. Doch die Eigenschaften dieser Frequenzen sind wenig optimal: die Reichweite dürfte bei wenigen Dutzend Metern liegen und Wände sind nur schwer durchdringbar. Die Folge: Selbst in Innenstädten müssen die Sender sehr dicht beieinander stehen, was wiederum hohe Kosten für E-Plus bedeutet. Zur Verstärkung des bestehenden LTE1800 Netzes etwa in Flughäfen, Bahnhöfen oder bei Großveranstaltungen dürfte sich LTE3500 dennoch gut eignen.

Ein anderes Problem neben der geringen Reichweite sind die Endgeräte: schon heute muss allein in Europa eine Vielzahl unterschiedlicher LTE-Frequenzen unterstützt werden und nur für E-Plus wird kein Hersteller die 3,5 GHz Frequenz integrieren. Der Erfolg steht und fällt also mit der weiteren Verbreitung dieser Frequenzen in Europa: wenn zukünftig weitere Netzbetreiber in diesem Frequenzbereich senden wollen, wird es für die Gerätehersteller attraktiver, entsprechende Endgeräte anzubieten. In Deutschland ist jedenfalls nicht davon auszugehen, denn die anderen Netzbetreiber haben genügend 2600 MHz Frequenzen, um die Hotspots zu versorgen.

Bild: E-Plus Gruppe

  • http://www.bclog.de/ Ralph A. Schmid

    Naja, paar hundert m gehen schon, und auf direkte Sicht zur Antenne auch paar km, aber man darf keine Wunder erwarten. Das wird auch nur halbwegs funktionieren, wenn man auf nennenswerte Antennenkabellängen verzichtet und die HF-Technik der Baisstationen direkt draußen neben der Antenne am Mast hängt. Die hohen Frequenzen sollten schon brauchbar einsetzbar sein, wenn endlich mal die Auswahl an Antennen für die Bänder groß genug ist.