Totgeglaubte leben oft länger – Nokias Softwarestrategie für die nächsten Jahre

Totgeglaubte leben oft länger – Nokias Softwarestrategie für die nächsten Jahre

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Symbian war aktuell, als Handys noch über echte Tasten verfügten und Touchscreens den Windows Mobile PDAs vorbehalten waren. Doch so richtig wollte man sich nicht von seinem OS trennen und versuchte sich an der konsequenten Weiterentwicklung des in die  Jahre gekommen Betriebssystems. Mit  der  S60 5th Edition implementierte man erstmals Touchscreens, auch wenn die Umsetzung nur recht halbherzig war und einen Stylus zwingend notwendig machte. Mit Symbian 3 räumte man den Quellcode des Systems ordentlich auf, machte das System hübscher, verständlicher und simpler zu bedienen – aber Kriegsnarben sind tief. So konnten gewisse Fehler nicht gelöst werden und auch Symbian 3 ist nur ein evolutiver Schritt, stattdessen wäre eine radikale Revolution nötig  gewesen, doch diese blieb und bleibt aus.

Denn die Entwicklung des Systems geht weiter und noch immer sind die Wurzeln unverkennbar. Mit dem aktuellen „Anna“ Update wird Symbian weiter an die  neuen Gegebenheiten angepasst und erst kürzlich veröffentlichte Nokia ein Browserupdate für Symbian S60 5th Edition Handys und neuere, die  den Browser von Symbian 3 erhalten sollen (dieses wird zur Zeit an die User ab dem 5230 verteilt). Gestern zeigte uns das Nokia 700 „Zeta“, dass Nokia mit Symbian fortfahren will, bis  es nicht mehr  anders geht, genauer gesagt  bis 2016.

Dieses Datum nannte man kürzlich in einer Präsentation zur Langzeiunterstützungt des Softwareservices. Obgleich Windows Phone 7 noch dieses Jahr auf den Markt kommen wird und ab nächstem Jahr hoffentlich neuen Schwung in Nokias Verkaufszahlen bringen wird, kämpft Nokia  den Vielfrontenkrieg.

Eigentlich sollte man so viel aus der Geschichte gelernt haben, als das Zwei oder gar Vielfrontenkriege selten gut gehen und dennoch wagt Nokia diesen Schritt. So verkündete Nokia Portfoliomanager Klas Ström heute, dass man das MeeGo Betriebssystem des N9  über Jahre hinweg weiterentwickeln  und mit zahlreichen Softwareupdates versorgen will. Fassen wir an dieser Stelle  einmal zusammen, was Nokia derzeit  an Software nutzt und auch weiterhin nutzen möchte:

-S40: für Featurephones, Weiterentwicklung

-S60: für Smartphones, nur noch kleine Updates, keine Weiterentwicklung

-Symbian^3: Stand der Dinge, Weiterentwicklung und zahlreiche Updates  in Aussicht

-Meamo: Betriebssystem des N900, lediglich kleine Updates geplant, Support läuft aus

-MeeGo: Betriebssystem des N9, heute Longtermsupport angekündigt

-Windows Phone 7: Neues Standbein ab Ende diesen Jahres, Updates  durch Microsoft garantiert

Derzeit hat Nokia also 6 Betriebssysteme im Bestand, die auf ihre Art und Weise gepflegt werden wollen. Kompliziert wird es bei den Hauptlinien Symbian60/Symbian3 und Windows Phone 7 die auf Grund von Inkompatibilität jeweils oder zumindest zum Teil andere Apps benötigen, die in diesen Tagen ein Betriebssystem ausmachen. Da man sich diesem Problem zumindest teilweise bewusst ist, versprach man den N9 Nutzern, dass diese schon bald Android Apps auf ihrem Gerät nutzen könnten. Grundlage ist hier nämlich „nur“ eine virtuelle Javamaschine, doch daran sind schon andre gescheitert. Die prominentesten Beispiele sind das WeTab von Neophonie und Blackberrys Playbook.

Quelle: Engadget, 2, 3